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Chronisch obstruktive

Lungenerkrankung

Chronisch obstruktive Lungenerkrankung im Überblick

COPD (chronische obstruktive Lungenerkrankung) ist eine fortschreitende Atemwegserkrankung, von der in der Schweiz etwa 400.000 Menschen betroffen sind und die weltweit zu über 3 Millionen Todesfällen jährlich führt.1 Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen Tabakrauch und Luftverschmutzung.2

Inzidenz - COPD
Inzidenz - COPD

Inzidenz Schweiz

In der Schweiz leiden ca. 400‘000 Menschen an COPD.1

Exazerbationen - COPD
Exazerbationen - COPD

Exazerbationen

Bei über 70% der COPD-Patient:innen treten innerhalb von drei Jahren nach der Diagnose Exazerbationen auf.1,3,4

Mortalität - COPD
Mortalität - COPD

Mortalität

1 von 5 Patient:innen verstirbt innerhalb eines Jahres nach der ersten Hospitalisierung auf Grund von einer COPD-Exazerbation.5

Was ist COPD?

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist eine häufige chronische Atemwegserkrankung, die zu einem eingeschränkten Luftstrom und Atemproblemen führt.2,6 Die Grundlage für die COPD bildet eine chronische Bronchitis und/oder ein Lungenemphysem.1,6 Verschiedene Prozesse können die Verengung der Atemwege verursachen: Schäden an Teilen der Lunge, Schleim, der die Atemwege verstopft und/oder Entzündungen und Schwellungen der Schleimhäute in den Atemwegen.2

 

COPD entwickelt sich langsam im Laufe der Zeit, wobei Rauchen und Luftverschmutzung die häufigsten Ursachen sind.2 Jeder zweite Raucher im Alter über 40 Jahre weist eine chronische Bronchitis auf.1 Menschen mit COPD haben ein höheres Risiko für weitere Gesundheitsprobleme.2

 

COPD ist die dritthäufigste Todesursache weltweit und führt jährlich zu über 3 Millionen Todesfällen.2

 

Zu den möglichen Folgen von COPD gehören:1

 

  • Herzinsuffizienz
  • Diverse weitere Herzkrankheiten
  • Lungenversagen
  • Isolation und Depression aufgrund der stark verminderten Leistungsfähigkeit

 

Typisch für COPD ist das Auftreten von Exazerbationen, kurzfristigen Verschlechterungen der COPD-Symptome, die eine zusätzliche Therapie erfordern und die Krankheitsprogression fördern.7 Exazerbationen sind assoziiert mit dem beschleunigten Verlust der Lungenfunktion und einer anhaltenden Beeinträchtigung der Lebensqualität.8

 

Weiterhin war eine moderate Exazerbation mit einer signifikanten Erhöhung des Risikos für schwere kardiovaskuläre Ereignisse in den ersten 30 Tagen assoziiert.9 Schwere Exazerbationen wurden mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Folgeereignisse sogar bis zu einem Jahr assoziiert.9 Zudem sind kardiopulmonale Ursachen die häufigste Todesursache in COPD-Patient:innen.10

COPD GOLD Klassifikation

Die COPD GOLD-Klassifikation beschreibt den Schweregrad der Atemwegsobstruktion und die Krankheitsaktivität der COPD. Sie wird international angewendet und auch von der SGP empfohlen.6,11

 

Die GOLD-ABE-Klassifikation ordnet Patient:innen nach Symptombelastung und Exazerbationsrisiko ein. Symptome werden mithilfe standardisierter Scores (mMRC oder CAT) beurteilt und das Exazerbationsrisiko anhand der Vorgeschichte erfasst. Dies ermöglicht eine zielgerichtete, individualisierte Therapieplanung.15, 16

COPD Symptome

COPD äussert sich in der Schweiz typischerweise durch Belastungsdyspnoe, chronischen Husten, und Auswurf sowie durch Exazerbationen, die den Alltag und die Lebensqualität der Betroffenen deutlich beeinträchtigen.1,3,11

Symptome - COPD
Symptome - COPD

Was sind typische COPD-Symptome?

Zu den häufigsten Symptomen zählen Belastungsdyspnoe , chronischer Husten, sowie Auswurf (AHA-Symptome). Die Atemnot tritt zunächst bei körperlicher Belastung auf (Belastungsdyspnoe) und kann im Verlauf auch in Ruhe bestehen. Viele Patient:innen berichten über eine eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit und reduzierte Belastbarkeit im Alltag.1,3

 

Typisch für COPD sind zudem Exazerbationen , also akute Verschlechterungen der Symptome, die eine zusätzliche medikamentöse Therapie erforderlich machen. Frühe Exazerbations-Anzeichen sollten konsequent beachtet werden, da Exazerbationen klinisch bedeutsam sind und mit einem beschleunigten Verlust der Lungenfunktion, einer anhaltenden Beeinträchtigung der Lebensqualität und einer ungünstigen Prognose assoziiert sind.3,4

 

Neben den pulmonalen Symptomen kann COPD mit systemischen Beschwerden wie Müdigkeit, Gewichtsverlust und Schlafstörungen sowie mit psychiatrischen Symptomen wie Depressionen und Angstzuständen einhergehen, welche die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.5

COPD-Diagnose und Testkriterien

Diagnose - COPD
Diagnose - COPD

Die COPD-Diagnostik basiert auf einer Kombination aus klinischer Symptomatik, Risikofaktoren und objektiven Lungenfunktionsmessungen. Ziel ist es, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen und den Schweregrad korrekt einzuschätzen.6,11

Risikogruppen

Gemäss GOLD sollte eine COPD-Abklärung bereits bei Personen ab etwa 35 Jahren mit relevanter Exposition (z. B. Tabakrauch, Innen-/Aussenluftverschmutzung, berufliche Exposition) und/oder respiratorischen Symptomen erfolgen.6 Insbesondere bei Personen über 40 Jahren mit einer Rauchvorgeschichte von ≥ 10 Pack-Years und mindestens einem AHA-Leitsymptom (Auswurf, Husten oder Atemnot) sollte eine Spirometrie zur Abklärung einer COPD durchgeführt werden.11

Diagnosesicherung mittels Spirometrie

Die Spirometrie ist der Goldstandard zur Sicherung der COPD-Diagnose. Das entscheidende diagnostische Kriterium ist ein FEV₁/FVC-Quotient < 0,7 nach Bronchodilatation, was eine nicht vollständig reversible Atemwegsobstruktion anzeigt. Die Spirometrie ist eine objektive, gut reproduzierbare Methode und sollte bei allen Patient:innen mit Verdacht auf COPD durchgeführt werden.6,11

 

Neben der Diagnosesicherung erlaubt die Spirometrie eine Einteilung des Ausmasses der Atemwegsobstruktion in die vier GOLD-Stadien (GOLD 1–4).6

 

GOLD-Stadium

FEV₁ (% vom Sollwert)

Obstruktionsgrad

GOLD 1

≥ 80 %

leicht

GOLD 2

50-79 %

moderat

GOLD 3

30-49 %

schwer

GOLD 4

< 30 %

sehr schwer

Adaptiert nach GOLD 2026, Fig. 2.106

Diese spirometrische Klassifikation dient primär der Prognoseeinschätzung und spiegelt die klinische Krankheitslast nur unvollständig wider.6

 

Bildgebende Verfahren (wie CT, Röntgen) dienen der Differenzialdiagnostik und dem Ausschluss alternativer Ursachen, ersetzen jedoch nicht die Spirometrie.6

Initiale klinische Beurteilung der COPD

Zur Beurteilung des Schweregrads der COPD und zur Festlegung einer optimalen Therapie ist eine ganzheitliche Betrachtung mehrerer klinischer Dimensionen erforderlich. Dabei sollten funktionelle Einschränkungen, klinische Symptome, Krankheitsaktivität und relevante Begleitfaktoren gemeinsam berücksichtigt werden.6,11

 

Folgende Aspekte sind in die initiale Beurteilung einzubeziehen:6

 

  • Funktioneller Schweregrad der Atemwegsobstruktion: mittels Spirometrie (FEV1/FVC > 0,7 nach Bronchodilatation)
  • Klinische Symptomlast: standardisiert erfasst z. B. mit dem COPD Assessment Test (CAT) oder dem mMRC-Dyspnoe-Score15,16
  • Vorgeschichte moderater und schwerer Exazerbationen als Marker der Krankheitsaktivität
  • Rauchstatus als zentraler Risikofaktor und Ansatzpunkt für präventive Massnahmen
  • Eosinophilenzahl (EOS) im Blut als unterstützender Biomarker für Therapieentscheidungen
  • α₁-Antitrypsin-Mangel Screening, als mögliche genetische Ursache der COPD
  • Begleiterkrankungen, insbesondere kardiovaskuläre, metabolische und psychische Komorbiditäten

Aus der Kombination von Symptomlast und Exazerbationsvorgeschichte lässt sich die GOLD-Gruppe ableiten, welche eine praxisnahe Einteilung der Patient:innen in Therapiegruppen erlaubt. Die symptom- und exazerbationsbasierte GOLD-ABE-Klassifikation bildet heute die Grundlage für Therapieentscheidungen.6

 

GOLD-Gruppe

Symptomlast

Exazerbationsrisiko

A

Tief: mMRC 0-1 oder CAT < 10

0 moderate oder schwere Exazerbation im vergangenen Jahr

B

Hoch: mMRC ≥ 2 oder CAT ≥ 10

0 moderate oder schwere Exazerbation im vergangenen Jahr

E

Unabhängig von Symptomlast

≥ 1 moderate oder schwere Exazerbation im vergangenen Jahr

Adaptiert nach GOLD 2026, Fig. 2.13

Unabhängig von der initialen Einteilung empfiehlt sich eine strukturierte und regelmässige Reevaluation von Symptomen, Exazerbationen und Therapieansprechen im Verlauf, da sich die klinische Situation und der Therapiebedarf im Verlauf verändern können.6,11

GOLD Pocket Guide 2026

Der GOLD Pocket Guide ist eine kompakte Zusammenfassung der aktuellen GOLD-Leitlinien und unterstützt die leitliniengerechte Versorgung von COPD-Patient:innen im Praxis- und Klinikalltag.12

 

COPD Pocket Guide

Der COPD Pocket Guide der Lungenliga Schweiz bietet eine praxisnahe Zusammenfassung der Schweizer Empfehlungen zur Diagnostik, Klassifikation und Behandlung der COPD unter Berücksichtigung der nationalen Versorgungsstrukturen und unter Beachtung der Schweizer Richtlinien.11

 

COPD Behandlung und Therapieoptionen Schweiz

Die moderne COPD-Therapie basiert auf den GOLD-Leitlinien und wird durch den COPD Pocketguide der Lungenliga Schweiz ergänzt. Grundlage sind inhalative Bronchodilatatoren als Therapiebasis mit einer individuellen Anpassung der COPD-Inhalation, einer gezielten Eskalation bis zur inhalativen Dreifachtherapie, sowie ergänzenden Massnahmen wie der COPD-Sauerstofftherapie und der frühzeitigen Integration der pulmonalen Rehabilitation – angepasst an Schweregrad, Symptomlast und Exazerbationsrisiko.6,11

Behandlung - COPD
Behandlung - COPD

COPD-Therapie: Inhalatoren, Rehabilitation & Sauerstofftherapie

Die COPD ist nicht heilbar. Eine adherente COPD-Therapie und langfristige Behandlung ist jedoch entscheidend, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen, Symptome zu lindern und Exazerbationen zu reduzieren.1,6 Die Behandlung erfolgt gemäss den aktuellen GOLD-Leitlinien sowie Pocketguide der Schweizer Lungenliga stufenweise und orientiert sich am Schweregrad der Erkrankung, der Exazerbationsvorgeschichte und der Symptomlast. Eine regelmässige Reevaluation ist integraler Bestandteil des Behandlungskonzepts.6,11

Medikamentöse COPD Therapie:

Die medikamentöse COPD-Therapie basiert primär auf der Inhalationstherapie mit Bronchodilatatoren. Kurzwirksame β₂-Agonisten (SABA) und kurzwirksame Muskarinantagonisten (SAMA) dienen als Bedarfsmedikation zur raschen Symptomlinderung. Für die Dauertherapie bilden langwirksame β₂-Agonisten (LABA) und langwirksame Muskarinantagonisten (LAMA) die Grundlage der Medikamente.6,11

Therapie nach GOLD-ABE:

Die medikamentöse COPD-Therapie basiert primär auf der Inhalationstherapie mit Bronchodilatatoren. Kurzwirksame β₂-Agonisten (SABA) und kurzwirksame Muskarinantagonisten (SAMA) dienen als Bedarfsmedikation zur raschen Symptomlinderung. Für die Dauertherapie bilden langwirksame β₂-Agonisten (LABA) und langwirksame Muskarinantagonisten (LAMA) die Grundlage der Medikamente.6,11

 

GOLD-Gruppe

Initial

Eskalation

A

LABA oder LAMA

 

B

LABA + LAMA

 

E

LABA + LAMA

bei Eos ≥ 100: LABA + LAMA + ICS*,#

Neu in GOLD 2026:

Bereits ≥1 moderate Exazerbation → Gruppe E6

* Die Fixdosis-Triple-Therapie (LABA + LAMA + ICS) ist in der Schweiz nicht für die Initialtherapie zugelassen.13 AstraZeneca kann und darf die Verwendung seiner Produkte ausserhalb der offiziellen Indikation nicht empfehlen (www.swissmedicinfo.ch).

Inhalative Kortikosteroide (ICS) sind nicht routinemässig indiziert, sondern sollten selektiv bei Patient:innen mit häufigen Exazerbationen und erhöhter Blut-Eosinophilenzahl zum Einsatz kommen.11

 

Eskalation bei persistierenden Exazerbationen:

  • Roflumilast kann bei persistierenden Exazerbationen trotz optimierter inhalativer Therapie für Patient:innen mit schwerer Atemwegsobstruktion und chronischer Bronchitis erwogen werden.6
  • Azithromycin kann insbesondere bei ehemaligen Raucher:innen zur Senkung der Exazerbationsrate eingesetzt werden.6
  • Bei weiterhin bestehender Exazerbationsaktivität trotz optimierter inhalativerTherapie (inkl. Triple-Therapie gemäss GOLD-Eskalation) können erweiterte medikamentöse Optionen wie Biologika (z. B. Dupilumab oder Mepolizumab) in Betracht gezogen werden.6,11

Inhalationstherapie / Inhalationssysteme

Die COPD-Inhalation ist der bevorzugte Applikationsweg, da sie eine zielgerichtete Wirkung in den Atemwegen bei geringer systemischer Belastung ermöglicht. Der Therapieerfolg hängt nicht nur vom Wirkstoff, sondern wesentlich auch vom Inhalationssystem und der korrekten Anwendung ab.6

 

Zur Verfügung stehende Inhalationssysteme:6

 

System

Voraussetzung6

Limitationen6

Trockenpulver-Inhalatoren (DPI)

Ausreichende inspiratorische Flussrate

Weniger geeignet bei geringer Atemkraft

Dosieraerosole (pMDI)

Gute Hand-Atem-Koordination, ausreichende inspiratorische Flussrate

Koordinationsfehler; ggf. Spacer nötig


Soft-Mist-Inhalatoren (SMI)

Langsame, tiefe Inhalation; geringere inspiratorische Kraft als bei DPI/pMDI erforderlich

Etwas komplexere Handhabung


Vernebler

Kaum aktive Mitarbeit erforderlich, geeignet wenn DPI/pMDI/SMI nicht praktikabel

Zeitaufwendig und geringere Mobilität


Die Auswahl sollte individuell erfolgen und Faktoren wie inspiratorische Flussrate, Koordination, kognitive Fähigkeiten und Präferenzen der Patient:innen berücksichtigen. Eine strukturierte Schulung der Inhalationstechnik sowie deren regelmässige Überprüfung sind fester Bestandteil der Verlaufskontrolle.6

Sauerstofftherapie

Die Langzeit-Sauerstofftherapie ist bei stabiler COPD ausschliesslich bei Patient:innen mit schwerer chronischer Hypoxämie indiziert. Ziel ist nicht primär die Symptomlinderung, sondern eine Verbesserung der Prognose. Bei Patient:innen ohne relevante Ruhehypoxämie wird Sauerstoff nicht routinemässig empfohlen. Die Indikation sollte anhand objektiver Messungen gestellt und regelmässig überprüft werden.6

Pulmonale Rehabilitation

Die pulmonale Rehabilitation ist ein zentraler Bestandteil der nicht-medikamentösen COPD-Therapie und wird für Patient:innen aller Schweregrade mit relevanter Symptomlast oder erhöhtem Exazerbationsrisiko empfohlen. Sie umfasst körperliches Training, Atemtherapie, Patientenschulung und psychosoziale Unterstützung. Rehabilitation verbessert nachweislich Belastbarkeit, Dyspnoe und Lebensqualität und reduziert insbesondere nach Exazerbationen das Risiko weiterer Ereignisse und Hospitalisationen. Es wird empfohlen, Rehabilitation frühzeitig in den Behandlungsplan zu integrieren und regelmässig zu evaluieren, da ihre Effekte unabhängig vom spirometrischen Schweregrad sind.6

Nicht-pharmakologische Therapie & Prävention bei COPD

Motivation zum Rauchstopp: Der Rauchstopp ist die wirksamste Einzelmassnahme zur Verlangsamung der COPD-Progression.6,11

Impfungen: Zur Reduktion von COPD-Exazerbationen, Hospitalisationen und Mortalität die SGP regelmässige Impfungen, insbesondere:11

  • Influenza: jährlich
  • SARS-CoV-2: gemäss BAG-Empfehlungen für Risikopatient:innen
  • Pneumokokken: PCV15 oder PCV20 (alters- und risikoadaptiert)
  • RSV/HerpesZoster: bei älteren Patient:innen mit hohem Risiko sowie bei ausgewählten Patient:innen RSV- und Herpes-zoster-Impfungen.

 

Darüber hinaus kann ein Selbstmanagement-Coaching (inkl. Symptomüberwachung, Medikationsmanagement und Entscheidungsfindung) die Belastbarkeit, Lebensqualität und Prognose verbessern. Ein individueller Aktionsplan für das Exazerbationsmanagement kann die Selbstwirksamkeit der Patient:innen erhöhen und ein frühzeitiges Erkennen und Behandeln von Verschlechterungen ermöglichen.11

COPD-Exazerbationen erkennen und behandeln

Die Behandlung von Exazerbationen folgt einem klaren, leitlinienbasierten Schema gemäss GOLD und SGP. Ziel ist das frühe Erkennen der akuten Verschlechterung, die rasche Stabilisierung der Atemwege, die Vermeidung von Komplikationen sowie die Prävention weiterer Exazerbationen. Eine strukturierte Beurteilung ermöglicht die Entscheidung zwischen ambulanter Therapie und Behandlung im Krankenhaus.6,11

Erkennen der akuten COPD-Exazerbation (AECOPD)

Eine COPD-Exazerbation ist definiert als eine akute Verschlechterung der respiratorischen Symptome, die über die tägliche Variabilität hinausgeht und eine Anpassung der Therapie erforderlich macht. Typisch sind eine Verschlechterung der Leitsymptome Atemnot, Husten und Auswurf, aber auch Fieber.

 

Exazerbationen werden häufig durch virale oder bakterielle Infektionen ausgelöst, können aber auch durch Luftverschmutzung, Temperaturstress oder Komorbiditäten getriggert werden. Die exazerbierte COPD ist eine der häufigsten Ursachen für notfallmässige Vorstellungen und Krankenhaus-Aufnahmen.6,11

 

Der Schweregrad einer AECOPD wird anhand der klinischen Symptomatik, vitaler Parameter und ggf. laborchemischer Befunde beurteilt. Die Einteilung in mild, moderat oder schwer ist entscheidend für Therapieintensität und Behandlungsort.6,11

 

Initial

Kriterien6

Milde Exazerbation

Leichte akute Verschlechterung mit:

  • Zunahme der Dyspnoe (VAS < 5)
  • Atemfrequenz < 24/min, Herzfrequenz < 95/min
  • Ruhe-SpO₂ ≥ 92 % unter Raumluft (oder ≤ 3 % Abfall vom Ausgangswert)
  • Kein Hinweis auf respiratorische Insuffizienz oder relevante Komorbiditäten
  • CRP (C-reactive protein) ~3 to 6 mg/L

Moderate Exazerbation

Wenn mindestens drei der folgenden Kriterien erfüllt sind:

  • Deutliche Dyspnoezunahme (VAS ≥ 5)
  • Atemfrequenz ≥ 24/min oder Herzfrequenz ≥ 95/min
  • Ruhe-SpO₂ < 92 % oder Abfall > 3 %
  • CRP ≥ 10 mg/l (falls bestimmt)
  • Ggf. milde Hypoxämie (PaO₂ ca. 70–80 mmHg)

Schwere Exazerbation

Zeichen einer respiratorischen Insuffizienz oder Systembeteiligung, wie

  • Deutliche Dyspnoezunahme (VAS ≥ 5)
  • Atemfrequenz ≥ 24/min oder Herzfrequenz ≥ 95/min
  • Ruhe-SpO₂ < 92 % oder Abfall > 3 %
  • CRP ≥ 10 mg/l (falls bestimmt)
  • Hypoxämie (PaO₂ ≤ 60 mmHg) und/oder Hyperkapnie (PaCO₂ > 45 mmHg) und respiratorische Azidose (pH < 7,35)

Akuttherapie der exazerbierten COPD

Die Therapie der AECOPD erfolgt schrittweise und sollte frühzeitig begonnen werden:6,11

 

  • Bronchodilatation durch Intensivierung von kurzwirksamen β₂-Agonisten (SABA) ± Anticholinergika (SAMA)
  • Systemische Kortikosteroide
  • Antibiotika, wenn purulenter Auswurf, Zeichen bakterieller Infektion oder schwere Exazerbation vorliegen
  • Bei respiratorischer Azidose oder Hyperkapnie sollte frühzeitig eine nicht-invasive Ventilation (NIV) erwogen werden, da sie nachweislich Intubationsrate, Hospitalisationsdauer und Mortalität senkt.
  • In ausgewählten Fällen kann auch High-Flow-Nasal Therapy (HFNT) eingesetzt werden.

COPD: Wann ist eine Hospitalisation indiziert?

Bei leichter bis moderater AECOPD ist eine ambulante Behandlung mit Nachkontrolle innerhalb von 48 Stunden möglich. Bei schwerer Exazerbation sind engmaschige Kontrollen nach 24–48 Stunden erforderlich.6,11

 

Eine Hospitalisation ist indiziert bei:6,11

 

  • fehlender klinischer Besserung
  • persistierender Hypoxämie
  • Zeichen respiratorischer Insuffizienz oder relevanter Komorbiditäten
Chart1 Chart1

Nachsorge und Prävention

Nach einer Exazerbation ist eine strukturierte Reevaluation essenziell.6,11

 

Dazu gehören:

 

  • Optimierung und ggf. Eskalation der inhalativen Dauertherapie (z. B. Dual- oder Triple-Therapie)
  • Überprüfung der Inhalationstechnik und Therapieadhärenz
  • frühzeitige Einbindung der pulmonalen Rehabilitation
  • Management von Komorbiditäten und Risikofaktoren.

 

Link zu COPD-Datenblatt

 

COPD-Datenblatt

Eine zweiseitige COPD-Patientenübersicht – Sie dient dazu die Erkrankung der COPD den Patienten näher zu bringen sowie die Kommunikation zwischen Pneumolog:innen, Hausärzt:innen und Patient:innen zu unterstützen. Sie bündelt die wichtigsten Informationen auf einer Doppelseite – aktueller Krankheitsstatus, gemessene Biomarker, Impfstatus, Notfallplan und laufende Therapien – und erleichtert es, Aktualisierungen zeitnah zu vermerken.

DE FR

FAQ’s

Typische COPD-Symptome sind Belastungsdyspnoe, chronischer Husten und Auswurf (AHA-Symptome). Die Atemnot tritt anfangs meist nur bei körperlicher Belastung auf und kann im Krankheitsverlauf auch in Ruhe bestehen. Viele Patient:innen berichten zusätzlich über eine verminderte körperliche Leistungsfähigkeit, rasche Ermüdbarkeit und reduzierte Belastbarkeit im Alltag.

Charakteristisch für COPD sind zudem Exazerbationen, also akute Verschlechterungen der Symptome, die häufig durch Infekte oder Umweltfaktoren ausgelöst werden und eine Anpassung der Therapie erforderlich machen.1,3

Die COPD-Diagnostik basiert auf einer Kombination aus klinischer Symptomatik, Risikofaktoren (insbesondere Rauchen) und objektiver Lungenfunktionsmessung.

Die Spirometrie ist der Goldstandard zur Diagnosesicherung. Ein FEV₁/FVC-Quotient < 0,7 nach Bronchodilatation bestätigt eine persistierende Atemwegsobstruktion.11

Patient:innen der GOLD-Gruppe B haben eine hohe Symptomlast, aber kein erhöhtes Exazerbationsrisiko. Empfohlen wird gemäss GOLD und SGP eine duale Bronchodilatation mit LABA + LAMA. Diese Kombination verbessert Dyspnoe, Belastbarkeit und Lebensqualität effektiver als eine Monotherapie.6,11

Die Triple Therapy COPD (LABA + LAMA + ICS) wird bei Patient:innen mit hohem Exazerbationsrisiko empfohlen, insbesondere bei:

≥ 1 moderaten oder schweren Exazerbationen pro Jahr trotz dualer Bronchodilatation

erhöhter Blut-Eosinophilenzahl (z. B. ≥ 300/µl oder ≥ 100/µl bei häufigen Exazerbationen)6, 11,##

## Die Fixdosis-Triple-Therapie (LABA + LAMA + ICS) ist in der Schweiz nicht für die Initial- oder Eskalationstherapie bei singulärer Bronchodilatation oder singulärer inhalativer Kortikosteroidtherapie zugelassen.14 AstraZeneca kann und darf die Verwendung seiner Produkte ausserhalb der offiziellen Indikation nicht empfehlen (www.swissmedicinfo.ch).

Die COPD-Sauerstofftherapie ist bei stabiler COPD nur bei schwerer chronischer Hypoxämie indiziert (z. B. PaO₂ ≤ 55 mmHg oder SpO₂ ≤ 88 %).
Ziel ist eine Verbesserung der Prognose, nicht primär die Symptomlinderung. Bei Patient:innen ohne relevante Ruhehypoxämie wird Sauerstoff nicht routinemässig empfohlen.6

Die pulmonale Rehabilitation ist ein zentraler Bestandteil der nicht-medikamentösen COPD-Therapie. Sie verbessert Belastbarkeit, Dyspnoe und Lebensqualität und reduziert Hospitalisationen, insbesondere nach Exazerbationen. Eine pulmonale Rehabilitation ist für die meisten Menschen mit COPD geeignet; eine Verbesserung der funktionellen Belastbarkeit und der gesundheitsbezogenen Lebensqualität wurde bei allen Schweregraden der COPD nachgewiesen, wobei die Evidenz bei Patienten mit moderater bis schwerer Erkrankung besonders aussagekräftig ist.

Rehabilitation sollte frühzeitig und unabhängig vom spirometrischen Schweregrad in den Behandlungsplan integriert werden.6

#TRIXEO AEROSPHERE ist angezeigt zur Erhaltungstherapie bei erwachsenen Patienten mit moderater bis schwerer chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD), die mit einer Kombination aus einem inhalativen Kortikosteroid und einem langwirksamen Beta2-Agonisten oder einer Kombination aus einem langwirksamen Beta2-Agonisten und einem langwirksamen Muskarinrezeptor-Antagonisten nicht ausreichend eingestellt sind (zu den Wirkungen auf die Symptomkontrolle und zur Prävention von Exazerbationen siehe Abschnitt «Klinische Wirksamkeit» ).13 AstraZeneca kann und darf die Verwendung seiner Produkte ausserhalb der offiziellen Indikation nicht empfehlen (www.swissmedicinfo-pro.ch).

 

AECOPD: akute Exazerbation der COPD; BAG: Bundesamt für Gesundheit; CAT: COPD Assessment Test; COPD: chronisch obstruktive Lungenerkrankung; CRP: C-reaktives Protein; CT: Computertomographie; DPI: Trockenpulver-Inhalator; EOS: Blut-Eosinophile (Zellen/µl); FEV1 : forciertes exspiratorisches Volumen in einer Sekunde; FVC: forcierte Vitalkapazität; GOLD: Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease; HFNT: High-Flow-Sauerstofftherapie; ICS: inhalatives Kortikosteroid; LABA: langwirksamer Beta₂-Agonist; LAMA: langwirksamer Muskarin-Antagonist; LTOT: Langzeitsauerstofftherapie; mMRC: modifizierte Medical Research Council Dyspnoe-Skala; NIV: nichtinvasive Ventilation; PaCO₂: arterieller Kohlendioxidpartialdruck; PaO₂: arterieller Sauerstoffpartialdruck; PCV: Pneumokokken-Konjugatimpfstoff; PMDI: Dosieraerosol; RSV: Respiratorisches Synzytial-Virus; SABA: kurzwirksamer Beta₂-Agonist; SAMA: kurzwirksamer Muskarin-Antagonist; SARS-CoV-2: Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus 2; SGP: Schweizerische Gesellschaft für Pneumologie; SMI: Soft-Mist-Inhalator; SpO₂: periphere Sauerstoffsättigung; VAS: visuelle Analogskala.

Referenzen:

  1. BAG, Chronische Atemwegserkrankungen. Stand: 20.11.2020. Online verfügbar unter: https://www.bag.admin.ch/de/chronische-atemwegserkrankungen.Letzter Zugriff: 01/2026.
  2. WHO, Fact sheet COPD. Stand: 6.November 2024. Online verfügbar unter: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/chronic-obstructive-pulmonary-disease-(copd). Letzter Zugriff: 01/2026.
  3. Vogelmeier CF, et al. Goals of COPD treatment: Focus on symptoms and exacerbations. Respir Med. 2020;166:105938.
  4. Hurst JR, et al. Susceptibility to exacerbation in chronic obstructive pulmonary disease. N Engl J Med. 2010;363(12):1128-38.
  5. Ho T-W, et al. In-Hospital and One-Year Mortality and Their Predictors in Patients Hospitalized for First-Ever Chronic Obstructive Pulmonary Disease Exacerbations: A Nationwide Population-Based Study.PLoS One. 2014;9:e114866.
  6. Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD). Global strategy for the diagnosis, management, and prevention of COPD (2026 report). GOLD website: https://goldcopd.org/2026-gold-report/.Letzter Zugriff: 01/2026
  7. Barnes N, et al. Chronic obstructive pulmonary disease and exacerbations: patient insights from the global Hidden Depths of COPD survey. BMC Pulm Med. 2013;13:54.
  8. Stolz D, et al. Towards the elimination of chronic obstructive pulmonary disease: a Lancet Commission. Lancet. 2022;400(10356):921-72.
  9. Vogelmeier C, et al. Increased risk of severe cardiovascular events following exacerbations of COPD: a multi-database cohort study. Eur Respir J 2023;62:PA3013 (Abstract).
  10. Mannino DM, et al. Global Initiative on Obstructive Lung Disease (GOLD) classification of lung disease and mortality: findings from the atherosclerosis risk in communities (ARIC) study. Respir Med. 2006;100:115-22.
  11. Schweizerische Gesellschaft für Pneumologie (SGP); Lungenliga Schweiz. COPD Pocket Guide – Diagnostik und Managementsupport: Ein praktischer Leitfaden für Fachpersonen. 2025/3. Auflage. Online verfügbar unter: https://www.lungenliga.ch/de/copd-pocket-guide. Letzter Zugriff: 01/2026.
  12. Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD). GOLD Pocket Guide to COPD Diagnosis, Management, and Prevention. 2026 Edition. Online verfügbar unter: https://goldcopd.org/wp-content/uploads/2026/01/GOLD-Pocket-Guide-2026-v1.1-20Nov2025_WMV2.pdf Letzter Zugriff: 01/2026.
  13. Fachinformation TRIXEO AEROSPHERE®. Verfügbar unter: swissmedicinfo.ch. Letzter Zugriff: 03/2026.
  14. Soler-Cataluña JJ, et al. Risk validation of a new quantitative score for clinical control of chronic obstructive pulmonary disease: The RADAR score. Arch Bronconeumol. 2026;62(1):28–34.
  15. https://www.inanutshell.ch/rechner/mmrc-dyspnoeskala/
  16. https://www.inanutshell.ch/rechner/copd-assessment-test/

Act on COPD

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